Es ist mal wieder Zeit für ein Zombiespiel. Im Fall von State of Decay 2 handelt es sich aber nicht um das x-te Resident Evil, sondern um einen Survival-Spiel in dem das Überleben und der Aufbau einer Gemeinschaft im Mittelpunkt stehen.

Die Zombieseuche hat die Menschheit lahmgelegt. Auf dem Planeten tummeln sich mehr Untote als alles andere, es gibt kaum noch Ressourcen. In einem von drei Gebieten, die nach dem Prolog des Spiels zur Wahl stehen, beginnt das Abenteuer.

Ein teurer Überlebensspaß

Ein Stützpunkt ist in State of Decay 2 schnell gefunden. Viel herausfordernder ist dessen langfristige Verwaltung. Essen, Medizin und Baumaterialien fallen schließlich nicht vom Himmel. Die Ressourcen liegen verstreut in der Spielwelt, im Kofferraum von Fahrzeugen oder im Inneren von Gebäuden.

Der Aufbau der Basis ist der eigentliche Kampf, fast eine Gewissensfrage. Baue ich mehr Betten, um die Moral zu verbessern oder eine Krankenstation, um Verletzungen behandeln zu können? Ein nicht unwichtiger Faktor ist auch die Bauzeit der Gebäude. Neue Einrichtungen entstehen meist in wenigen Minuten, größere Anlagen brauchen schon mal 30 Minuten in Echtzeit und länger. Wie auf einer Baustelle entsteht Lärm, der auf den Stützpunkt aufmerksam macht. Die Gefahr eines Angriffs steigt, entsprechend müssen meine Überlebenden vorbereitet sein.

Der Bau von neuen Anlagen kostet Ressourcen und lockt Zombies an.

Der Spielablauf folgt stets demselben Schema: Ressourcen sammeln, Zombies plätten und die Materialien zur Basis bringen. Je mehr Einrichtungen und Bewohner in der Siedlung vorhanden sind, desto mehr Ressourcen sind nötig. Das hat zur Folge, dass die Suche danach immer länger dauert und entsprechend herausfordernder wird – irgendwann ist die Umgebung abgegrast und man muss weitere Wege in Kauf nehmen.

An abgelegene Bereiche gelangt man mit einem Auto schneller als zu Fuß. Ein Fahrzeug läuft aber nicht ohne Sprit und Benzin ist ein seltenes Gut in State of Decay 2. Ohne genug Treibstoff wird der Roadtrip schnell zur Todesfalle. Das und die Erforschung der unsicheren Gebiete machen den größten Reiz im Spiel aus. Jedes Plündern eines Gebäudes könnte das Überleben meiner Enklave sichern oder deren Ende bedeuten. An was es State of Decay 2 allerdings mangelt, sind konkrete Hinweise oder Story-Häppchen der Menschen, die dort vor der Apokalypse gewohnt haben. So bleiben die heruntergekommenen Einrichtungen profillos.

Meine Gemeinschaft ist deprimiert

Mein Stützpunkt gedeiht, das Lager ist prall gefüllt und meine Charaktere haben gute Laune. Beim nächsten Trip durch die Welt geht aber alles schief: In kürzester Zeit sind drei Überlebende gestorben, die Medizin ist alle und das Essen wird knapp. Die Stimmung ist mies. Es gibt mehrere Wege, die Laune der eigenen Community zu verbessern. Hier kommt neben der Suche nach neuen Ressourcen der gezielte Kampf gegen die Zombieplage ins Spiel.

Es entstehen Infektionsherde um den Stützpunkt, an denen sich zahlreiche Untote tummeln. Deren Beseitigung hebt die Laune in den eigenen vier Wänden. Solange das Übel aber nicht an der Wurzel bekämpft wird, bringt das nicht viel. Die größte Herausforderung in State of Decay 2 sind die "Seuchenherzen". In jedem der drei Gebiete gibt es mindestens fünf davon und jedes zerstörte Zentrum stärkt die übrigen. Je stärker das Herz, desto mehr Zombies. Da kann der eigene Charakter noch so gute Statuswerte haben, irgendwann geht auch den Besten die Puste aus.

In State of Decay gibt es viele Helden

Das repetitive Gameplay läuft Gefahr, schnell eintönig zu werden – vor allem im Solo-Modus. Schuld daran ist die fehlende Inszenierung in State of Decay 2. Es gibt keine besonderen Charaktere, zu denen eine Bindung aufgebaut wird. Kaum wurde Lucía von der Zombieseuche geheilt – eine der prozedural generierten Überlebenden in meinem Spieldurchlauf – wird sie bei einem weiteren Angriff von Zombies getötet.

Was bleibt ist nicht die Wut über den permanenten Verlust von Lucía – der Tod in State of Decay ist endgültig – sondern die Tatsache, dass die Gemeinschaft keine Köchin mehr hat. Ganz abgesehen davon, dass ihre vorangegangene Heilung zahlreiche Ressourcen verschlungen hat. State of Decay hat nicht nur einen "Helden".

Hier kann jeder Charakter zu Jill Valentine oder Chris Redfield werden, aber niemand davon erreicht auch nur im Ansatz deren Tiefe. Zwar hat die Sterblichkeit der Charaktere durchaus ihren Reiz, das und eine sporadische Hintergrundgeschichte im Menü des Spiels reichen aber nicht, um eine emotionale Bindung zu ihnen aufzubauen.

Drei meiner Bewohner sind schon gestorben, das drückt die Stimmung.

Hilfst du mir, helfe ich dir – vielleicht

In State of Decay gibt es nicht nur die eigene Community, sondern auch Enklaven anderer Überlebender. Sie setzen regelmäßig Funksprüche ab und bitten um Hilfe. Diese Nebenmissionen sind rein optional, dabei entstehen aber Beziehungen zu anderen Enklaven, mit denen dann Handel möglich ist.

Die NPCs, die keine Zombies sind, sind aber nicht automatisch freundlich. Es gibt genug feindlich gesinnte Menschen, die über Leichen gehen, um ihr eigenes Dasein zu sichern. Entsteht mit anderen Kommunen ein gutes Verhältnis, leisten sie im Kampf gegen Zombies Beistand und lassen sich irgendwann auch einbürgern. Gemeinsam ist man schließlich stärker.

Ihr könnt in State of Decay 2 auch der Gartenarbeit nachgehen.

Wo sind die Neuerungen?

Das Entwicklerstudio Undead Labs konzentriert sich in State of Decay 2 darauf, die Gameplay-Mechaniken des ersten Teils zu verfeinern. Das merkt man dem Spiel schon nach der ersten Stunde an, denn maßgebliche Neuerungen gibt es nicht. Zugegeben, die Bauzeiten der Einrichtungen wurden angepasst und das Survivor-System etwas verändert. Das sind Nuancen, in denen sich die Fortsetzung zu State of Decay unterscheidet.

Eine große Änderung gibt es aber: State of Decay 2 hat einen Koop-Modus. Der unterstützt dank Xbox Play Anywhere auch Cross-Play mit der Windows 10-Version. Zusammen mit Freunden macht der Kampf ums Überleben mehr Spaß. Der Multiplayer-Variante fehlt es aber an Feinschliff. Denn die Spieler, die dem Host beitreten, profitieren kaum von dem Zusammenspiel.

Zerstörte Seuchenherzen oder Infektionsherde bringen nur dem Host etwas. Story-Fortschritt überträgt sich nicht auf die eigene Spielwelt. Lediglich die verbesserten Skills des Charakters, mit dem man einer Online-Sitzung beitritt, werden mitgenommen. Da sich die Fähigkeiten der austauschbaren Überlebenden im Schema-F des Spiels aber sowieso von selbst aufleveln, ist das nicht der Rede wert. Trotzdem: Ressourcen sammeln, Zombies verprügeln und mit dem Auto plattfahren macht mit Freunden mehr Laune als mit einem gesichtslosen NPC.