Solo: A Star Wars Story stand von Anfang an unter einem schlechten Stern. Man könnte sogar meinen, unter einem Todesstern: Eine beunruhigende Produktionsgeschichte, ein abrupter Regie-Wechsel und exzessive Nachdrehs bohrten sich in das Herz eines jeden Krieg der Sterne-Fans, wie Anakin Skywalkers Lichtschwert in Jedi-Jünglinge.

Waren die Sorgen um das Endprodukt gerechtfertigt? Gewiss. Trotzdem ist das Han Solo-Prequel nicht so trostlos wie das Schicksal von Alderaan. Viel eher fliegt der Film unter dem Radar – eigentlich fast schon wie ein guter Schmuggler.

 
Vielleicht ist die Vorgeschichte von Han Solo doch nicht so cool, um ihr einen eigenen Film zu widmen...

Die Geschichte ist bereits erzählt

Ich persönlich habe nie um einen Han Solo-Film gebeten. So cool wie der Charakter auch ist und die Rolle Harrison Ford auf den Leib geschrieben, so sehr haben mir die Abenteuer gereicht, die er bereits auf der großen Leinwand überstanden hat.

Denn wie schon befürchtet, wird auch die neueste Star Wars Story von dem altgedienten Prequel-Problem geplagt: Ich weiß, wann und wie die Geschichte von zumindest den Helden und Schurken endet, die ich bereits kenne. Da können mir noch so viele Trailer versuchen weiß zu machen, dass Chewbacca eine Mission auf Leben und Tod vor Episode 4: Eine neue Hoffnung nicht überlebt. (Spoiler: Nein, Chewie stirbt nicht.)

Natürlich besteht die Möglichkeit, dass mir bisher unbekannte Charaktere ans Herz wachsen und ich bei ihrem Leben und Sterben mitfiebere. Mit Woody Harrelson oder Paul Bettany wären bewährte Darsteller vorhanden, deren schauspielerische Kompetenz außer Frage steht. Nur blöd, wenn deren Figuren so blaß und austauschbar bleiben, dass man ihr Schicksal – so positiv bzw. negativ es auch ausfallen mag – lediglich mit einem müden Schulterzucken abtun kann.

Qi'ra (Emilia Clarke) wäre an sich ein interessanter Charakter – würde ihre Entwicklung nicht komplett off-screen stattfinden.

Keine Spur von Nostalgie

Dafür könnte immerhin das funktionieren, was bisher in allen anderen Star Wars-Filmen auch funktioniert hat – oder etwa nicht? Ja und nein. Denn in Solo gibt es Dog Fights im Weltall, Blaster-Feuer in zwielichtigen Bars, die vor Aliens nur so strotzen und einen maskierten Bösewicht.

Allerdings trauen sich die Regisseure Phil Lord und Chris Miller der Regisseur Ron Howard nie, etwas Neues zu wagen. Ja, der Rasende Falke schafft es, in einer unmöglichen Gefahrensituation TIE-Fighter auszumanövrieren. Aber haben wir das nicht schon in mittlerweile mindestens fünf anderen Filmen gesehen?

So plätschert Solo: A Star Wars Story mäßig spektakulär vor sich hin, während selbst die Nostalgie nichts mehr zu retten vermag. Im Zweifel hat irgendwer immer ein ganz mieses Gefühl und ein Film wird nicht nur dadurch gut, indem das eigene Franchise an allen Ecken und Enden zitiert wird.

Kleine Verschnaufspause gefällig?

Ich weiß, es ist paradox: In meiner Kindheit wäre ein feuchter Traum in Erfüllung gegangen, hätte mein Taschengeld ausgereicht, um alle paar Monate in einen neuen Star Wars-Film zu spazieren. Und ihr dürft mich gerne mit Boomas steinigen: Damals konnte ich sogar die Prequels in Dauerschleife gucken – sofern die "Liebesgeschichte" zwischen Anakin und Padme übersprungen wurde.

Jetzt würde ich aus diesem Traum gerne wieder aufwachen. Schon das Marvel Cinematic Universe hatte mit dem Problem zu kämpfen, sich in seiner eigenen Formel totzufahren. Einzigartige Filme wie Captain America: The Winter Soldier oder Thor: Ragnarok mussten mit dem zuvor Gesehenen brechen, um aus der eigenen Masse herauszustechen.

Die Dynamik zwischen Han und Lando kratzt nur an der Oberfläche ihres Potentials.

Trotzdem ist der Vorwurf gerechtfertigt, dass mindestens ein Film pro Jahr vielleicht zuviel des Guten ist. Vor allem, wenn allzu sehr auf Nummer Sicher gespielt wird. Natürlich hat gerade Episode 8: The Last Jedi die Fan-Gemeinde gespalten, als sich Rian Johnson getraut hatte, neue Richtungen zu erschließen. Doch ich bin mir schon jetzt sicher, dass ich keine für Han Solo (Alden Ehrenreich) in Aussicht gestellte Sequels oder ein eigenes Abenteuer für Lando Calrissian (Donald Glover) brauche.

Immerhin: Die Chemie zwischen beiden stimmt und in den besten Momenten von Solo fühle ich mich tatsächlich an ihr Gezanke in Das Imperium schlägt zurück erinnert. Allerdings mangelt es Ehrenreich an dem gewissen Etwas, das Ford 1977 zum Durchbruch als Schauspieler verhalf. Und möchte ich an das charismatische Wettbuhlen von Lando und Han erinnert werden, schaue ich in Zukunft lieber noch einmal in Episode 5 rein.