Schießen, prügeln, quatschen, duellieren, schleichen und beleidigen: Das Gameplay von Red Dead Redemption 2 könnte komplexer ausfallen, als in bisher veröffentlichten Titeln von Rockstar Games. Ich durfte im Zuge einer Preview-Session meine Kompetenzen als Outlaw ausprobieren und konnte feststellen: RDR2 lebt vor allem von seiner Interaktion mit den NPCs.

Jeder NPC ist ein Freund... oder Opfer

In Red Dead Redemption 2 ist L2 bzw. LT die fast wichtigste Taste des Spiels. Darüber kann ich auswählen, wie Arthur Morgan mit seinen Mitmenschen umgeht: Plaudert er ein bisschen und erfährt dadurch vielleicht wichtige Informationen? Beleidigt er sein Gegenüber und provoziert dadurch eine Schlägerei oder sogar ein Duell? Bietet er jemandem seine Hilfe an oder stürzt ihn ins Verderben?

Rockstar verspricht mir, dass diese Art von Interaktion mit jedem NPC in der offenen Spielwelt von Red Dead Redemption 2 möglich ist. Bei einem konkreten Beispiel sieht das wie folgt aus: Im Städtchen Valentine suche ich einen Arzt auf, um Arthur mit Heilmitteln auszustatten. Beim Durchstöbern seines Ladens fällt mir eine schwere Eisentür auf, die verdächtig nach verdächtigen Machenschaften aussieht.

Bedrohen, begrüßen oder beleidigen: Rechts unten seht ihr, wie Arthur Morgan mit diesen beiden NPCs verfahren kann.

Also klopfe ich an der Tür und werde – wie jeden Freitag Abend – von einem unhöflichen Türsteher abgewiesen. Dabei könnte ich es belassen und mich aus dem Staub machen, tue ich aber nicht. Stattdessen drücke ich vor dem Arzt die linke Schultertaste, wodurch sich ein Interaktionsmenü öffnet. "Bedrohen" klingt in diesem Fall nach der besten Option und so hält Arthur dem Ladenbesitzer seinen Revolver unter die Nase.

Für ihn ein ziemlich überzeugendes Argument, also knickt er ein, führt mich unter Protesten zur Tür und überzeugt den Gorilla, Whiskey für seine Freunde im Schlepptau dabei zu haben. Plottwist: Für die geheime Pokerrunde hat Arthur nur Blei, Blei und noch mehr Blei übrig... was wiederum die Vertreter des Gesetzes aus ihrem Mittagsschlaf hochschrecken lässt.

Laut Rockstar Games könnte Arthur nun seine Waffen wegstecken und es auf diplomatischen Weg mit dem Sheriff probieren. Da ich einen nervösen Zeigefinger habe und der Ordnungshüter einfach durch die Tür stürmt, ohne anzuklopfen, verläuft dieser Versuch ungefähr so erfolgreich, wie mein Liebesleben.

Dank mir hat Valentine keinen guten Tag erlebt.

Niemand verlässt Valentine lebend… außer vielleicht ich

Naja, da das schon mal nicht geklappt hat, muss ich mir den Weg aus Valentine freischießen. Auch schön. Das funktioniert in klassischer Third-Person-Shooter-Manier mit Deckungssystem inklusive Dead Eye-Feature, das bereits seit dem ersten Red Dead Redemption bekannt ist, aber jetzt über fünf verschiedene Stufen verfügt.

Dennoch kommt Teil 2 nicht ohne kleine, aber feine Veränderungen im Gameplay aus: So kann ich beispielsweise mit zwei Revolvern gleichzeitig feuern – bei denen es sich nicht mal um dieselbe Pistole handeln muss. Arthur visiert mit beiden Waffen stets ein Ziel an, was sich beim Abdrücken sehr befriedigend anfühlt. Videospiele mit Western-Setting, die auf Akimbo-Gunplay verzichten, gehören einfach verboten! (Sorry, Red Dead 1…)

 
Pew, pew: In jedem Spiel sollte man zwei Pistolen gleichzeitig abfeuern können.

Arthur Morgan pumpt – und zwar nicht im Fitness-Studio

Beim Griff zur Schrotflinte macht sich aber ein anderes Feature bemerkbar, von dem ich bisher gar nicht wusste, wie sehr ich es vermisst habe: Nach jedem Schuss muss erstmal eine neue Patrone in die Kammer geladen werden, was über das abermalige Drücken der Feuertaste funktioniert. Ein gar banal wirkendes Detail, was aber nur zur Immersion von Red Dead Redemption 2 beiträgt.

Da mir dieses Gameplay-Feature aber zu spät aufgefallen ist, stehe ich mit leerer Waffe vor einem Deputy, der in meinem Bildschirmtod die Chance auf eine Beförderung sieht. Zu seinem Pech ist Arthur Morgan ein Schrank, der den armen Teufel einfach über den Haufen rennt. Auf dem Boden festgenagelt folgt eine ziemlich brutale Exekution, mit deren Beschreibung ich niemanden den Appetit versauen will.

Auf der Straße vor der Praxis wartet mein treues Pferd, das mich unter Beschuss aus Valentine herausbringt. Das Gesetz ist mir noch immer auf den Fersen, aber wie in GTA macht es seinen Job nicht besonders gut, sobald man sich ruhig verhält und außer Sichtweite ist. In Valentine sollte ich mich vorerst nicht blicken lassen – es sei denn ich blättere etwas von meinem... ehrlichen Poker-Gewinn im örtlichen Postamt hin, um mein Kopfgeld zu bezahlen.

Arthur Morgans Schrotflinte muss nach jedem Schuss "nachgepumpt" werden.

Ehrensache

Trotz geblechtem Kopfgeld wird mein Verhalten in Valentine Konsequenzen nach sich ziehen: Benimmt sich Arthur wie ein Arsch, hat er auch den Ruf eines Arschs. Damit werden sich gesittete Bürger beim Anblick des Outlaws einnässen, was mir das Verhören oder Überfälle erleichtert.

Rockstar verspricht, dass sich Morgan im Verlauf des Spiels wieder bessern kann, selbst nachdem er die Karriereleiter in die Hölle hinabgestiegen ist. Damit versauen sich Spieler nicht einen Spielstand, wenn sie auf einmal die falsche Person am Leben gelassen bzw. über den Haufen geschossen haben.

Arthur Morgans Ruf reitet ihm weit voraus.

Fazit: So. Viele. Möglichkeiten.

Ich hätte gerne mehr Zeit mit Red Dead Redemption 2 verbracht. Duh?! Wer nicht? Allerdings nicht unbedingt, um in die Prärie oder eine andere Stadt zu reiten, sondern mehr Zeit in Valentine zu verbringen – davon wären wahrscheinlich nur die Bewohner nicht allzu begeistert. Denn so viel ich in dem Städtchen entdecken und ausprobieren konnte, so sehr habe ich das Gefühl, etwas verpasst bzw. übersehen zu haben. Die Gameplay-Vielfalt von Red Dead Redemption 2 hat mich bereits in meiner kurzen Spielzeit begeistert. Umso mehr freue ich darauf, diese Komplexität zu meistern, um jede Facette des Spiels kennenzulernen.

 

Die wichtigsten Infos zu Red Dead Redemption 2

Red Dead Redemption 2 ist ab dem 26. Oktober 2018 für Playstation 4 und Xbox One erhältlich und kommt vielleicht doch noch für den PC.


Über den Autor: Valentin Aschenbrenner ist Editor bei IGN Deutschland. Ihr könnt ihm auf Twitter, Instagram und Letterboxd folgen: @valivarlow.