Es ist offiziell: Disney feuert James Gunn, den Regisseur der beiden Guardians of the Galaxy-Filme. Ursprung der Debatte sind vom Verschwörungstheoretiker Mike Cernovich ausgegrabene Tweets, die wiederum das konservative Newsportal The Daily Caller teilte. In den kurzen Texten äußert sich Gunn zweifelhaft über Pädophilie und Vergewaltigungen. Somit trennen sich die Wege des Regisseurs und des Studios noch vor Guardians of the Galaxy Vol. 3.

James Gunn, der sich öffentlich gegen Donald Trump positioniert, ist mit seiner Haltung in den Fokus von Trump-Anhängern geraten, die mit den alten, mittlerweile gelöschten, Tweets leichtes Spiel hatten.

Die "Witze", die er zwischen 2009 und 2012 veröffentlichte, enthalten unter anderem Sätze wie

"Ich mag es, wenn kleine Jungs mich an meiner komischen Stelle anfassen" (April 2009)

"The Expandables war so männlich, ich hab die Scheiße aus dem kleinen Weichei-Jungen neben mir gefickt" (August 2010)

Disney und Marvel reagieren prompt

Nachdem Disney auf die Tweets aufmerksam wurde, zieht das Medienunternehmen einen harten Strich.

Der Vorsitzende der Walt Disney Studios Alan Horn gibt zum Fall James Gunn folgendes Statement ab:

"Die beleidigende Attitüde und Statements, die in James' Twitter Feed entdeckt wurden, sind unhaltbar und unvereinbar mit den Werten unseren Studios und wir haben unsere Geschäftsbeziehungen zu ihm mit sofortiger Wirkung beendet."

Der Sender ABC, Teil von Disney, trennte sich erst vor Kurzem von Rosanne Barr, nachdem sie auf Twitter wiederholt durch rassistische Tweets auffiel.

Verschwörungstheoretiker Mike Cernovich bringt erneut Liberalen zu Fall

Wie Polygon berichtet, wurden die beinahe 10-Jahre alten Tweets vom Verschwörungstheoretiker Mike Cernovich ausgegraben. Zweifelhafte Berühmtheit erlangte Cernovich durch seine Pizzagate-Theorie, nach der unter anderem Hillary Clinton einen Menschenhandel-Ring aus einer Pizzeria in Washington D.C. heraus betrieben haben soll.

Seine Berichterstattung hatte damals einen Amoklauf zufolge, bei dem einer seiner Gefolgsleute mit einem Sturmgewehr bewaffnet in einer Pizzeria das Feuer eröffnete.

Regisseur Gunn ist dabei nicht das erst mediale Opfer der Cernovich-Recherchen. Bereits 2017 startete der Verschwörungstheoretiker eine Hetz-Kampagne gegen den liberalen MSNBC-Moderator Sam Sedar, der sich 2009 sarkastisch zu den Vergewaltigungsvorwürfen gegen Roman Polanski äußerte, ebenfalls auf Twitter.

Der Regisseur bezieht Stellung und entschuldigt sich

Gunn selbst erklärt sich in einer langen Reihe von Mitteilungen auf Twitter:

"Viele Leute, die meine Karriere verfolgt haben, wissen, als ich angefangen habe, sah ich mich selbst als Provokateur, machte Filme und erzählte Witze, die abscheulich und tabu waren. Wie ich öffentlich oft diskutiert habe, habe ich mich als Person entwickelt, so wie meine Arbeit und mein Humor.

Ich will nicht sagen, dass ich besser bin, aber sehr, sehr anders, als ich vor ein paar Jahren war. Heute versuche ich meine Arbeit in Liebe und Zuneigung wurzeln zu lassen und weniger in Wut. Die Tage, an denen ich etwas sage, nur weil es schockierend ist und versuche Reaktionen zu bekommen, sind vorbei."

Kurze Zeit später geht James Gunn einen Schritt weiter und entschuldigt sich offiziell für seine Äußerungen:

"Ich verstehe und akzeptiere die Business-Entscheidungen, die heute getroffen wurden. Ich bin voll und ganz allein dafür verantwortlich, wie ich mich damals verhalten habe. Alles, was mir jetzt noch zu tun übrig bleibt, ist mein ehrliches und erfülltes Bedauern auszusprechen und der beste Mensch zu sein, der ich sein kann."

Das Ende von Guardians of the Galaxy Vol. 3?

Eigentlich sollte James Gunn am Freitag, während des Sony-Panels, auf der San Diego Comic Con auftreten und sein neues Projekt vorstellen. Insider berichten, dass das wohl nicht mehr auf dem Plan steht.

Somit ist Guardians of the Galaxy Vol. 3 derzeit ohne Regisseur. Das Drehbuch ist bereits fertig und der Start der Dreharbeiten für Ende 2018 angesetzt. Ob der Film, trotz des Bruchs zwischen Regisseur und Studio, wie geplant 2020 in den Kinos starten kann, ist noch ungewiss.

Ebenso fehlt Marvel nun der Kopf des sogenannten Marvel Cosmic Cinematic Universe, welches James Gunn nach dem Abschluss von Phase 3 überwachen sollte.

DIE WICHTIGSTEN INFOS ZU GUARDIANS OF THE GALAXY

Guardians of the Galaxy: Vol. 3 startet spätestens im Jahr 2020 in den Kinos.

 

Über die Autorin: Kathleen Hellbarth ist freie Redakteurin bei IGN Deutschland. Ihr könnt ihr auf Twitter und Instagram folgen.