Der Macher von Die Simpsons und Futurama ist zurück und schöpft eine Serie, die es schwer haben wird, in die Fußstapfen ihrer Vorgänger zu passen. Am 17. August startet mit Disenchantment auf Netflix die dritte Cartoon-Sitcom aus der Feder von Matt Groening.

Er und seine beiden Co-Produzenten Josh Weinstein und David X. Cohen haben bereits zuvor die Herzen der Zuschauer erobert. Disenchantment kann da gut mithalten, kommt allerdings nicht ganz an die Geschichten um Homer Simpson und Philip J. Fry heran.

Diesmal verschlägt es den Zuschauer in das fiktive Dreamland. Ein mittelalterlisches Fantasy-Land, dass gar nicht so sehr Phantasie ist. Der Alltag dort ist geprägt von Armut, Tod, Pest und allem, was sonst am Mittelalter kacke war.

Nix da mit braver Prinzessin

Mit der Protagonistin Bean schaffen die Autoren eine überzeugende Anti-Prinzessin, ist sie doch einfach nur eine 19-jährige, die das Glück hat, die Tochter des Königs zu sein. Vielleicht auch ihr Pech, denn sie hat ihren eigenen Kopf, neben einem Alkoholproblem, und will sich so gar nicht an die Erwartungen ihres Vaters anpassen.

Begleitet wird sie dabei von zwei Metaphern für Engelchen und Teufelchen auf der Schulter. Der Dämon Luci wurde ihr von geheimnisvollen Schurken geschickt und überredet sie immer wieder zu bösen Taten. Dem Gegenüber steht Elfo der Elf. Das naive und gutherzige Kerlchen brach aus seinem behüteten Elfendasein am Süßigkeitenfließband aus und steht ihr nun als gute Seele zur Seite.

Damit haben wir ein ziemlich klischeebehaftetes Trio, doch die Überzeichnung einfacher Stereotype war bereits in den Simpsons und Futurama eine Stärke und ist es auch hier. Letztendlich bekommen wir doch eine Gruppe, die Schwächen der Einzelnen mit den Qualitäten der anderen ausgleicht.

Dazu kommen beinahe abgedroschene Charaktere wie Beans narzisstischer Vater und ein überheblicher Prinz Charming, die in den richtigen Momenten jedoch etwas mehr Tiefe zeigen können.

 

Gute Gags sind leider nicht alles

Die Pilotfolge lässt sich zwar Zeit, bis die Charaktere zusammen finden, kann jedoch bis dahin jeden einzeln ins Abenteuer stürzen lassen. Prinzessin Bean soll vor den Altar treten und den Prinzen eines verbündeten Landes heiraten, um die Bande der Länder zu stärken. So wie das im Mittelalter eben üblich war.

Bean hat allerdings ihre eigenen Pläne, weigert sich und spießt ihren Gemahl in Spe versehentlich am Thron aus Schwertern auf. So spinnt sich ein Auftakt der Geschichte, der nicht besonders innovativ daher kommt.

Zwar ist alles mit jeder Menge Witzen versehen, ohne diese hätte man nur noch einen Plot, den man schon einige Male gesehen hat. Die Geschichten sind nun folgenübergreifend und mit rund je 30 Minuten Laufzeit ausgefeilter, als die 20-minütigen Episoden der Simpsons. Allerdings brauchen die Plots der einzelnen Folgen leider länger um in Fahrt zu kommen.

So kommt es vor, dass ich mir 20 Minuten lang etwas ansehe, was ziemlich unzusammenhängend wirkt, bis es erst in den letzten Minuten einen Sinn bekommt. So baut sich zum Beispiel ein Wirrwarr aus Alkohol, Verfolgungsjagd und nächtlichem Unfug auf, um erst ab der Hälfte der Laufzeit zu einer Exorzismusgeschichte zu führen.

Ein guter AHA!-Effekt bleibt am Ende allerdings aus.

Treffsichere Pointen wie eh und je

Ein Thron aus Schwertern? Natürlich gibt es in Disenchantment genau wie in den Simpsons und Futurama unzählige Referenzen – auch auf die eigenen Serien. Manchmal offensichtlich, an anderen Stellen versteckt im Hintergrund. Fans von Easter Eggs werden ihre helle Freude haben. So findet sich nicht nur der eiserne Thron als Seitenhieb auf Game of Thrones wieder, sondern eben auch eine Philip J. Fry-Perücke als erster Hinweis auf Futurama.

Der Humor ist den Autoren besonders gelungen, der die Moderne mit dem Mittelalter verbindet. So entstehen herrlich absurde Situationen, die an ähnliche Konstrukte in Futurama erinnern, wo das Heute und die Zukunft aufeinander trafen. So kommuniziert zum Beispiel die Polizei in Dreamland über einfache Flüstertüten und macht bei jeder Ansage Funkstörungsgeräusche.

Trotz all dem Mittelalter und Fantasy kommt auch die Wissenschaft nicht zu kurz. Immerhin ist mit David X. Cohen ein gefeierter Mathematiker im Autorenteam, der seinerzeit das Problem der verbrannten Pfannkuchen gelöst hat.

Wissenschaft war in Die Simpsons und Futurama immer wichtig und Grundlage für viele Gags, die auf dem Bildschirm gar nicht mehr so wissenschaftlich wirkten. Das gilt auch für Disenchantment, doch statt über Technik und Mathematik, dürfen wir uns jetzt über Geschichte freuen.

Alte Figuren in neuer Umgebung

Auch dem Look der Figuren sieht man die Herkunft aus der Groeningschen Feder sofort an. Vor allem Elfo der Elf erinnert an Bart Simpson und wie er aussehen würde, hätte Marge eine Affäre mit dem Barmann Moe gehabt. Völlig anders sehen jedoch die Umgebungen aus. Landschaften und Hintergründe sind viel filigraner als in den beiden Vorgängerserien und mit viel mehr Liebe zum Detail gestaltet.

Der neue Stil kommt bei mir gut an und ich kann längere Zeit damit verbringen, in den Kulissen Feinheiten und kleine Überraschungen zu entdecken. Wie auch schon in den Simpsons und Futurama alles irgendeine Bedeutung hatte, so gibt es sicherlich auch hinter den einfachen Dingen in Disenchantment, wie den Fensterbildern im Thronsaal, einen Sinn.