Na, habt ihr Avengers: Infinity War schon verarbeitet? Hervorragend. Denn mit Ant-Man and the Wasp wird das Marvel Cinematic Universe endlich wieder witzig. Also wirklich witzig. Damit ist nicht der Galgenhumor im Kampf gegen Thanos gemeint, sondern Paul Rudds (un)freiwillig komischer Versuch ein Superheld zu sein.

Zur willkommenen Abwechslung geht es im zweiten Solo-Film des kleinsten Avengers nicht um die Rettung der Welt – wovon das "richtige" Debüt von Evangeline Lillys The Wasp definitiv profitiert. Es kommt eben nicht immer auf die Größe an...

Nach Civil War ist auch Giant Man der Öffentlichkeit bekannt.

Es muss nicht gleich die Welt gerettet werden

Nachdem er seinem großen Idol (Chris Evans) in Captain America: Civil War unter die Arme gegriffen hat, wurde Scott Lang (Paul Rudd) zu zwei Jahren Hausarrest verurteilt. Die sind zum Beginn von Ant-Man and the Wasp fast überstanden, doch dann wird er von Hank Pym (Michael Douglas) und Hope van Dyne (Evangeline Lilly) in ein neues Abenteuer gezogen.

Was sie von ihm wollen: Mit Scotts Hilfe Hopes Mutter und Hanks Ehefrau Janet (Michelle Pfeiffer) aus der sogenannten "Quantum Realm" befreien. Dabei kommen ihnen aber Gangster Sonny Burch (Walton Goggins), FBI-Agent Jimmy Woo (Randall Park) und vor allem die mysteriöse Ghost (Hannah John-Kamen) in die Quere.

Der Plot von Ant-Man and the Wasp ist wie schon bei Teil 1 ein Mittel zum Zweck – ohne wirkliche Überraschungen oder Twists wie in Avengers: Infinity War. Das stört aber nicht unbedingt. Denn dafür bleibt genug Freiraum für beispielsweise Luis' (Michael Pena) berühmt-berüchtigte Quassel-Eskapaden oder dem charmanten Spiel zwischen dem Schrumpfen oder Vergrößern allerlei Alltagsgegenstände.

Eben wie bei Ant-Man.

Mehr The Wasp als Ant-Man

Im Gegensatz zum Vorgänger steht dieses Mal eindeutig Evangeline Lilly als The Wasp im Rampenlicht. Und das verspricht ja eigentlich schon der Titel des Films: Die Tochter von Hank Pym wird endlich zu der Superheldin, die eigentlich ein Gründungsmitglied der Avengers ist – zumindest in den Comics. Ein Grund, dass sie jetzt auch die erste Marvel-Heldin ist, die bei einem MCU-Film im Titel steht?

Und obwohl sich Ant-Man und The Wasp mindestens auf Augenhöhe begegnen, nachdem Hope zum Ende von Ant-Man ihren eigenen Anzug spendiert bekam, wird gerade Scott Langs Rolle reduziert, aber vor allem vereinfacht. So muss ihm (und damit dem Zuschauer) nahezu jede noch so offensichtliche Entwicklung der eigentlich dünnen Geschichte erklärt werden (Danke, Laurence Fishburne), während irgendwann nicht mal mehr die Technik mitmacht.

Einen Großteil des Films hat Ant-Man mit einem defekten Anzug und den ziemlich willkürlichen Konsequenzen davon zu kämpfen – in der Zwischenzeit darf Hope cool aussehen und ihre Kompetenz unter Beweis stellen. Dabei hätte Scott Lang nicht einmal "verdummt" werden müssen, um The Wasp gut aussehen zu lassen. Evangeline Lilly bekommt das auch ohne männlichen Beistand hin und ist ein Badass, wie er im Action-Buche steht. Aber wer weiß: Vielleicht bekommt Ant-Man dafür in Avengers 4 seinen großen Moment?

 
Ohne The Wasp wäre Ant-Man manchmal ganz schön aufgeschmissen.

Welcher Infinity War?

Ant-Man and the Wasp ist der vielleicht sorgloseste Film des Marvel Cinematic Universe – ja, vielleicht sogar unbeschwerter als Guardians of the Galaxy 1. Vielleicht auch deswegen, weil die Geschichte vor bzw. parallel zu Avengers: Infinity War spielt? Eigentlich jagt nur ein Witz den nächsten, während Comedy und Action Hand in Hand miteinander gehen. So gehört beispielsweise die Verfolgungsjagd zwischen "richtigen" und Hot Wheels-Autos zu den Highlights des Sequels.

Mit Bösewichtin Ghost versucht Ant-Man and the Wasp zumindest so etwas wie Tragik in den Film zu integrieren. Ihr Potential wird allerdings maximal an der Oberfläche angekratzt und der Charakter verabschiedet sich schneller und undankbarer aus dem Film, als eine Ameise unter der Lupe eines sechsjährigen Rotzlöffels aus dem Leben. Erziehungsschelle gefällig?

Dafür stellen ihre Kräfte, sich durch jede Materie "hindurch-phasen" zu können, eine willkommene Abwechslung zum "Bösewicht entspricht dem Helden"-Klischee dar, da es mal nicht zur Barschlägerei zwischen zwei Typen im Anzug kommt. Naja, irgendwie schon. Aber immerhin können beide nicht das Gleiche!

Bei den anderen Nebenfiguren klappt es wiederum besser: Nach Ant-Man muss man über Luis eigentlich keine Worte mehr verlieren, seine Rolle wird in Ant-Man and the Wasp vertieft – aber nicht überstrapaziert. MCU-Newcomer Randall Parks spielt sich ebenfalls in die Herzen der Zuschauer, wenn er als Vertreter des Gesetzes eigentlich so etwas wie Autorität auszustrahlen versucht, dann aber doch dem Charme von Paul Rudd erliegt.

Wenn Rudd zum Beispiel anprangert, dass die Wissenschaft um die Quantum Realm nur dadurch erklärt wird, indem Quantum vor jedes Wort gepackt wird, können wir nicht anders, als Jimmy Woo zuzustimmen. Auch wenn das nicht gerade für den Plot des Films spricht...